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KG Moabit-West
 

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Turmfalken
und Maulbeeren
Maulbeeren

Falken und Maulbeerbäume - Stadtnatur in der Heilandskirche

Unter dem Dach der Kirche sind neben den Menschen auch Pflanzen und Tiere zu Hause. Mit ihrem kleinen Kirchgarten und den jährlich im Turm
nistenden Falken bereichert die Heilandskirche somit die Moabiter Stadtlandschaft.

Die Turmfalken

Wie lange die Turmfalken schon ihr Sommerdomizil in der Thusneldaallee nutzen, ist nicht bekannt. Tatsächlich aber
haben diese relativ kleinen Greifvögel durchaus auch Großstädte als Lebensraum entdeckt. Zum Überleben benötigen sie
Grünflächen mit niedrigem Bewuchs für die Jagd auf Mäuse und andere Kleintiere sowie - als Brutplätze - hohe
Gebäude. Insofern ist der Heilandskirchturm mit dem in nächster Umgebung liegenden Ottopark und Kleinem Tiergarten ein geradezu optimaler Standort.

Naturschutz und Kirche

2007 war Turmfalkenjahr, und in dieser Saison wurden die Heilandskirchefalken zu Lieblingen der Medien. Vom
Naturschutzbund (NABU) war der Turmfalke zum "Vogel der Jahres" erkoren. Ebenfalls 2007 startete die NABU-Aktion
"Lebensraum Kirche", die insbesondere Kirchtürme in den Blick nimmt, die als Brutplätze für zahlreiche Arten immer mehr
Bedeutung gewinnen. In diesem Rahmen wurde während der Brutzeit am Nistkasten der Heilandskirche eine Webcam
installiert. So wurde es möglich, per Internettagebuch die Paarung und Brutpflege des Falkenpärchens (Kurt und Erna)
und die Aufzucht der fünf Jungen mitzuverfolgen. Hinzu kamen zahlreiche Fernseh- und Zeitungsbeiträge. In einer
Leseraktion des Berliner Kuriers wurden die Küken schließlich auf die Namen Falko und Moabi, Lucki, Fanni und Fatima
getauft. Als erste Kirchengemeinde bundesweit wurde die evangelische Gemeinde Moabit West mit der vom NABU und dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen vergebenen Ehrung "Lebensraum Kirche" ausgezeichnet. Die
Heilandskirche habe "stellvertretend für die Kirchen in ganz Deutschland gezeigt, dass Naturschutz und Kirche gute
Kooperationspartner sein können", sagte Astrid Klug, seinerzeit parlamentarische Staatssekretärin im
Bundesumweltministerium, anlässlich der feierlichen Vergabe der Plakette zu der Aktion. Sie ist seitdem neben dem
Portal angebracht und zeigt neben dem Turmfalken auch die Silhouetten von Schleiereule und Fledermaus. Inzwischen
sind etwa 400 weitere Gemeinden in Deutschland dem Beispiel der Heilandskirche gefolgt, haben Nistmöglichkeiten für
gefährdete Arten geschaffen und die entsprechende Auszeichnung erhalten.

Der Garten

Der zwischen Kirche, Turmstraße und Alt Moabit in östlicher Richtung zum Kleinen Tiergarten hin gelegene Garten ist eine kleine Oase im Stadtumfeld. Hinter dem Chorsaal befindet sich die Terrasse, die zur Nutzung nicht nur für die Gemeinde einlädt.Umgeben von Eichen, Linden und Ahornbäumen blickt man auf eine Mischung von Apfelbäumchen, Maulbeerbäumen und Büschen, Hortensien und weiteren Ziergehölzen.
Unsere drei Weinstöcke (Rotweinreben) seit Jahren ertragreich, da intensiv betreut, gedeihen an der Südseite des Chorsaals prächtig.

Unser Maulbeergarten

Die Stars des Gartens sind aber zweifellos die drei Maulbeerbäume, geschenkt und gepflanzt vor über 5 Jahren vom B.U.N.D. .
Ein weiterer echter Hugenottenbaum kam von Prof. Dr. Michael Seiler hinzu. Die Freude war groß, als durch herunter gefallene Früchte ringsum neue Triebe schossen und Freunde und Förderer der Heilandskirche um "Zuteilung" für ihre Gartenflächen baten.
Maulbeerbäume und deren Aufzucht waren im späten 17. Jahrhundert eine preußische, staatstragende Pflicht für die französischen Hugenotten, denen hier an beiden Spreeufern dafür Neuland zugeteilt wurde.
Man legte Plantagen zwecks Seidenraupenzucht an, aber nur die Blätter der Sorte " Morus Alba" der "Weißen Maulbeere" sind für die Einspinnung (Kokon) geeignet. Die preußischen Könige erhofften sich Unabhängigkeit (wirtschaftliche Autarkie) in Sachen Seidenimporte aus Frankreich und China (Monopol)!
Die Aufwendungen brachten nicht den gewünschten Ertrag. Sandige, mal sumpfige Böden, eine gewisse klimatische Abkühlung auch in unseren brandenburgischen Landen, die Ausweitung hier durch die Stadt Berlin und ein Pilzbefall der Bäume ( Wurzelpilz) brachten die Bemühungen um 1854 nachhaltig zum Erliegen.
Die Früchte der Bäume (brombeerartig)sind nicht außergewöhnlich schmackhaft und außerdem durch die Saftigkeit und färbende Wirkung leider schwer handel- und händelbar!
Somit lässt man der jubilierenden einheimischen Vogelwelt den Vortritt.
Direktlinks:

NABU
Auszeichnung der Heilandskirche für Lebensraum Kirchturm